Uheimlis Gääld

uheimlis gaald

von Ray Cooney

„Als chleine Gglinggi hescht düü mier besser gfalle“, schluchzt die biedere Erna. Sie erkennt ihren Max nicht wieder. Ausgerechnet an seinem Geburtstag kommt er zu spät nach Hause, und dies noch angetrunken. Was ist in den sonst so rechtschaffenen Buchhalter Max Holzer gefahren? Nichts – ausser dass er wegen einer Verwechslung stolzer Besitzer eines fremden Aktenkoffers wird. Der enthält zwei Millionen Franken. Das ist die Chance seines Lebens. Während sein Blutdruck und sein Adrenalinpegel steigen, sinkt sein moralischer Imperativ. Er will nur das eine: weg, und das so schnell wie möglich. Zwei Flüge – nur hin. Doch aus diesem Vorhaben wird so schnell nichts. Im Gegenteil: Es beginnt ein aberwitziges Verwirrspiel. Nach-, neben- und durcheinander stellen sich ein: die Geburtstagsgäste Isabelle und Rolf Zenklusen, die Taxifahrerin Brigitte, aber auch zwei ungebetene Kripobeamte – alle mehr oder weniger bestechlich. Obwohl sie am liebsten zu Hause bliebe, setzt ausgerechnet die in die Enge geratene Erna Holzer eine Lügenspirale in Gang, die Max wie besessen weiter- und überdreht: Barcelona, Sidney, Bali, Leichenhalle, Maffiacci, Aktengoofche, Müüsi-Büüchji, Aborigineskänguru – am Schluss fällt das ganze heillos überspannte Ermittlungs- und Korruptionsspektakel in sich zusammen. Ray Cooney, geboren am 30. Mai 1932 in London, ist einer der erfolgreichsten Komödienautoren unserer Zeit. Cooney schreibt seine Farcen und Lustspiele aus seiner Erfahrung als Schauspieler und Regisseur heraus. Mit akribischer Genauigkeit kann er absurd erscheinende, aber mit zwingender Logik ablaufende bürgerliche Katastrophen konstruieren, die in atemberaubendem Tempo über die Bühne jagen und die Bühnenfiguren von einer Katastrophe in die nächste, von einer Notlüge in die andere treiben.

Ray Cooney ist ein Virtuose auf der Klaviatur einer Lustspielart, welche die Engländer „Farce“ nennen. Die Farce verspottet menschliche Schwächen. Eine nicht bloss komische, sondern durchaus auch tragische Angelegenheit. „Tragik ist das Wesen der Farce. Sogar die Dialoge der Farce sollen mit denen einer Tragödie austauschbar sein“, schreibt Cooney. In den meisten Tragödien liege das Individuum im Kampf mit übermächtigen Kräften. Zudem gequält von den eigenen Charakterschwächen und der Unfähigkeit, “sie bei äusserem Druck unter Kontrolle zu halten.“ Diese Beschreibung passt unzweifelhaft auf „Uheimlis Gääld“. Ray Cooneys „Funny Money“ – so der Titel des Originals - hat Dynamik. Der Wortwitz des Textes, der auch in der walliserdeutschen Fassung spürbar ist, und die Mischung aus Komödie und Tragik sind schier unschlagbar.

Das Team der Seniorenbühne
Presse
Fotoalbum